JA zum NEIN!

  

Zwei Nachbarn stehen heute Morgen im Flur zusammen, als ich an ihnen vorbei hetzen will. Da fällt mir ein, dass ich den einen noch um etwas bitten muss und bleibe stehen „Darf ich Dich kurz was fragen?“ Der andere kommt ihm zuvor und antwortet ihm zugewandt: „Einfach mal Nein sagen!“

„Oh“, entfährt es mir. „Was für ein wunderbares Motto für diesen Tag! Das werde ich mir merken.“ Trotzdem kläre ich noch schnell mein Anliegen und ziehe von dannen.

Unterwegs zu einer Yoga-Stunde geht mir dieser Satz und seine Wirkung durch den Kopf: Ja, ich will auch einfach mal Nein sagen! Ich bin gerade eh total im Widerstand. Gegen alles. Gegen das frühe Aufstehen an dunkler werdenden Morgen, gegen die plötzliche Kälte und die kürzer werdenden Tage nach einem ewig lang erscheinendem Sommer, gegen den gefühlten Endspurt, den ich arbeitstechnisch bis zum Ende des Jahres noch hinlegen muss. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und verstärkt nur meine schlechte Laune und Frustration.

Und super spannend, das Gesetz der Serie wirkt: Im Yoga fordert uns die Lehrerin genau zu diesem Thema auf, in Kontakt mit unseren inneren Widerständen zu gehen. Im Körper wahrzunehmen, wo befinden sie sich gerade, in welchen Partien können wir sie spüren, wie fühlt sich die Stimmungslage genau in jenem Moment mit diesen körperlichen Blockaden an? Und dann sollen wir es so sein und wirken lassen: all jene trotzigen Mechanismen, die sich gegen Kälte, Dunkelheit und den uns aufgedrückten Rückzug mobilisiert und aufgebaut haben.

Ich gehe durch meine Vinyasas, lasse mich auf die Atemübungen ein. Die Lehrerin sagt ungewohnte Abfolgen an, die nicht gleich fließen: „Spürt sie, die Widerstände, die vielleicht gerade auftauchen bei Euch.“ Und tatsächlich, ein erster Gedanke von mir war: was ist denn das für ein bescheuerter Move…? Verstehe ich nicht! Und ich muss sogar ein bisschen über mich lachen, über mein reflexartiges Einsteigen in banale Automatismen, die nur Kraft kosten und mich selbst behindern.

Wir legen uns in Savasana, die Endentspannung, mitten in der Stunde und sollen hinein spüren, in all jene Gedanken, Kommentare und Ideen, die in jenem Moment auftauchen.

Und da ist es plötzlich, klar, einfach und unverrückbar: Mein JA zu diesem ganzen Mühsal der letzten Wochen, JA zu schlechter Laune und Irritationen. Mein JA zum NEIN und es fühlt sich ganz leicht an.

Wir stehen wieder auf und gehen durch die letzten Asanas. Friedlich und befreit verlasse ich die Stunde und schreibe diesen Text.

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