Interview mit einer Yogini – Maria Reich von Holy Moly Yoga

   

In unserem 3. „Interview mit einer Yogini“ stellen wir eine weitere tolle Yogalehrerin vor, die sich durch ihren ganz individuellen Stil hervorhebt: Maria Reich von Holy Moly Yoga!

Maria durfte ich auch in einer ihrer schönen Yoga-Klassen kennen lernen. Je länger ich selber Yoga mache, desto mehr wird mir diese unendliche Weite der Yoga-Welt bewusst(er). Es gibt kein Ende, immer nur wieder einen Anfang, in dem das Eintauchen in all diese Möglichkeiten ein Gefühl von Ankommen vermitteln kann. Yoga erscheint manchmal wie einer dieser eigenartigen Farbfächer, die man von Farbenanbietern in den Händen hält – es gibt unendlich viele Schattierungen von Kombinationsmöglichkeiten der drei Grundfarben. Und ein jeder einzelne Farbfächer ist auch nur ein Ausschnitt aus all diesen mannigfaltigen Optionen.So kann in diesem unendlichen Yoga-Universum eine jede Yoga-Schaffende wie im Anmischen eines bestimmten Farbtons eine neue Facette kreieren.

Maria besticht für mich auf dieser Palette durch ihre Klarheit und ihre Fokussiertheit als Yogalehrerin, aber auch durch ihren selbstironischen und liebevollen Humor. Allein schon ihre tiefe und volle Stimme richten ihre TeilnehmerInnen von Beginn der Stunde an aus auf den Raum, in dem sich alle befinden und in dem nur das gerade stattfindet, was stattfindet.

Maria holt ihre TeilnehmerInnen auf der Matte in den Körper und in den Atem: einfach, direkt und ohne Umwege. Und diese Reduktion mündet für einen jeden von uns Teilnehmenden in einer Kraft, die sich ganz konzentrieren kann auf das Wesentliche, ohne Schnörkel. Auch das Freiheitliche in der Wahl von Alternativen in der Asana-Praxis wirkt in ihren Stunden nie als eine Minderung des Bewegungsradius, nie als ein Weniger oder Mehr, sondern stets vollständig und ausgerichtet auf den Moment.

Ihre stimmliche und körperliche Präsenz sowie ihre sehr angenehm praktischen Assists (Korrekturen, die in der Asanaarbeit von der/dem LehrerIn angeboten werden) lassen ihre Klassen zu einem kraftvollen und rundem Erlebnis werden – be’Reich’ert von ihrem herzlichen Lachen 🙂 Erfahrt hier mehr!

   

© Caroline Pitzke

   

Liebe Maria, was sind Deine Erfahrungen mit Yoga? Was hat es mit Dir gemacht?

Nach den allerersten Yogastunden war ich mit dem Überschuss an neuer Energie etwas überfordert. Es war, als hätte man mir einen „Zaubertrick“ gezeigt, der mir hilft glücklicher, ausgeglichener und zufriedener zu sein, aber statt dieses Geschenk anzunehmen, habe ich mir im Anschluss erstmal Bier und Zigaretten gekauft. Das, was ich in 90 Minuten auf der Matte erarbeitet hatte, wurde damit sofort wieder ausgelöscht. Nach wenigen Monaten verschwand dieses destruktive Muster jedoch von ganz allein und ich konnte das Wohlgefühl und die innere Freude, die der Yoga in mir erzeugte, endlich annehmen. 

Seit der ersten Yogaklasse vor über 8 Jahren (April 2010), hat sich in meinem Leben auf verschiedenen Ebenen viel verändert. Zusammengefasst kann ich sagen: Ich bin gesünder, wacher, klarer, glücklicher, fitter, stärker, mutiger, selbstliebender, vertrauender, mehr in Verbindung mit mir und meiner wahren Natur. Yoga ist kein Sport. Irgendwann kann Yoga für dich so selbstverständlich wie das Zähneputzen werden. Die positiven Effekte sind einfach so nachhaltig und stark….

Hier kommt meine obligatorische Frage nach der Angst, die ich immer wieder so spannend finde: gibt es noch einen Bereich im Yoga, der Dir Angst macht und wenn ja, wie gehst Du damit um bzw. heran? Du bist langjährige Yoga-Lehrerin: Wie führst Du Deine SchülerInnen an die ihre Angstthemen heran?

Nein, Yoga ist kein fordernder Sport, der etwas von dir verlangt, daher gibt es auch keine Aspekte des Yoga, die mir Angst machen. Jeder gute Yogalehrer macht klar, dass es niemals um Wettbewerb geht, sondern um dich und deine Eigenpraxis. Du kannst keinen Kopfstand, aber alle anderen um dich herum schweben da elegant mit Selbstverständlichkeit hinein? Na und. Dann lass dich davon inspirieren, aber bitte ignoriere diese „Ich bin nicht gut genug“ – Stimme. Das ist es nämlich auch, was Angst erzeugt: negative Ego-Gedanken. Klar, auch ich werde davon regelmäßig „überfallen“ und erlebe Tage, in denen es mir nicht gut geht deswegen. Aber durch die Yogapraxis gewinnst du Abstand und innere Stärke, sodass diese Stimme immer leiser und immer kleiner wird. Bei größeren Angstthemen oder Lebensfragen unterstütze ich meine Klienten auch als Coach.

Ein toller Ansatz! Was sind Deine Erfahrungen: In welchen Situationen kann Yoga im Arbeitsalltag helfen bzw. unterstützen?

Ein Beispiel: Du bekommst Schweißausbrüche kurz vor einem wichtigen Meeting. Dein Herz rast.

Dann geh für ein paar Minuten irgendwohin, wo du für dich sein kannst (Toilette tut es auch). Setz dich. Erde deine Füße hüftbreit. Sitze super gerade. Entspann deine Bauchdecke. Jetzt atme. Lass den Atem fließen; tief und langsam, aber ohne ihn zu kontrollieren. Dann denk dabei: ,,Ich atme Liebe ein und Vertrauen und Entspannung aus.“ Mach das mal für ein 3 – 5 Minuten und schau, wie es dir danach geht. 

Ein anderes Beispiel: Du hast den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen, du kannst dich kaum noch konzentrieren. Dein Kreislauf ist schon ziemlich im Keller. Steh auf. Stell dich super aufrecht hin. Strecke die Arme weit über deinen Kopf und verschränke oben die Finger, sodass die Handflächen Richtung Decke zeigen. Zieh die Schultern dabei herunter. Nun atme entlang deiner Wirbelsäule. Von hier beuge dich dann langsam vor und greife deine Ellbogen in einer tiefer Vorbeuge. Lass Kopf und Nacken los. Häng dich aus. Atme durch die Nase tief ein und durch Pruste-Lippen (wie ein Pferd) aus. Roll dann wieder langsam Wirbel für Wirbel hoch zurück in den Stand. Roll die Schultern von vorne einatmend hoch zu den Ohren und ausatmend weit nach hinten. Versuche während dieser Übungen sämtlichen Fokus loszulassen und öffne weit das Fenster. Atme tief. Diese 3 – 5 Minuten können ein absoluter GameChanger sein. 

Kurz gesagt: Yoga ist Bewegung. Yoga ist Atem. Yoga ist ein klarer Geist. Versuche diese drei Elemente in deinem Alltag irgendwie zu integrieren. Täglich 5 Minuten Yoga im Büro sind mehr wert, als eine Yogastunde in einem schicken Studio ein mal die Woche. Wer wirklich gute Arbeit leisten möchte und das über viele Jahre hinweg, kommt nicht drum herum sich zu bewegen und seine Geistqualität aktiv zu verändern.

   

© Caroline Pitzke

   

Wow! Das sind einfach mal ganz klare Cues! Du bietest auch Yoga-Workshops und Retreats ganz nah im schönen Brandenburg an. Was können die Interessenten bei Dir mitnehmen?

Das hängt meistens vom Thema des Retreats oder des Workshops ab. Sicherlich nimmt man von einem Retreat durch die intensive Yogapraxis in so kurzer Zeit ein tieferes Verständnis für den Yoga mit. 4 – 5 mal Praktizieren an einem Wochenende wirkt schon sehr reinigend und klärend auf Körper und Geist. 

Meine Kraft & Klarheit – Workshops sprechen schon für sich. Mit diesen biete ich Raum und Zeit für Selbstreflexion, denn nur, wenn wir uns selbst zu verstehen lernen, können wir wachsen. Wer sich selber kennt und weiß, was ihm entspricht, erlebt Wahrhaftigkeit – in seinen Beziehungen und allen anderen Manifestationen des Lebens. Das ist Yoga in seiner schönsten Form. 

   

Liebe Maria, vielen DANK für dieses Interview!

Finden könnt Ihr Maria unter

www.holymolyyoga.com

facebook.com/holymolyyoga

instagram.com/holy_moly_yoga

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