JA zum NEIN!

  

Zwei Nachbarn stehen heute Morgen im Flur zusammen, als ich an ihnen vorbei hetzen will. Da fällt mir ein, dass ich den einen noch um etwas bitten muss und bleibe stehen „Darf ich Dich kurz was fragen?“ Der andere kommt ihm zuvor und antwortet ihm zugewandt: „Einfach mal Nein sagen!“

„Oh“, entfährt es mir. „Was für ein wunderbares Motto für diesen Tag! Das werde ich mir merken.“ Trotzdem kläre ich noch schnell mein Anliegen und ziehe von dannen.

Unterwegs zu einer Yoga-Stunde geht mir dieser Satz und seine Wirkung durch den Kopf: Ja, ich will auch einfach mal Nein sagen! Ich bin gerade eh total im Widerstand. Gegen alles. Gegen das frühe Aufstehen an dunkler werdenden Morgen, gegen die plötzliche Kälte und die kürzer werdenden Tage nach einem ewig lang erscheinendem Sommer, gegen den gefühlten Endspurt, den ich arbeitstechnisch bis zum Ende des Jahres noch hinlegen muss. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und verstärkt nur meine schlechte Laune und Frustration.

Und super spannend, das Gesetz der Serie wirkt: Im Yoga fordert uns die Lehrerin genau zu diesem Thema auf, in Kontakt mit unseren inneren Widerständen zu gehen. Im Körper wahrzunehmen, wo befinden sie sich gerade, in welchen Partien können wir sie spüren, wie fühlt sich die Stimmungslage genau in jenem Moment mit diesen körperlichen Blockaden an? Und dann sollen wir es so sein und wirken lassen: all jene trotzigen Mechanismen, die sich gegen Kälte, Dunkelheit und den uns aufgedrückten Rückzug mobilisiert und aufgebaut haben.

Ich gehe durch meine Vinyasas, lasse mich auf die Atemübungen ein. Die Lehrerin sagt ungewohnte Abfolgen an, die nicht gleich fließen: „Spürt sie, die Widerstände, die vielleicht gerade auftauchen bei Euch.“ Und tatsächlich, ein erster Gedanke von mir war: was ist denn das für ein bescheuerter Move…? Verstehe ich nicht! Und ich muss sogar ein bisschen über mich lachen, über mein reflexartiges Einsteigen in banale Automatismen, die nur Kraft kosten und mich selbst behindern.

Wir legen uns in Savasana, die Endentspannung, mitten in der Stunde und sollen hinein spüren, in all jene Gedanken, Kommentare und Ideen, die in jenem Moment auftauchen.

Und da ist es plötzlich, klar, einfach und unverrückbar: Mein JA zu diesem ganzen Mühsal der letzten Wochen, JA zu schlechter Laune und Irritationen. Mein JA zum NEIN und es fühlt sich ganz leicht an.

Wir stehen wieder auf und gehen durch die letzten Asanas. Friedlich und befreit verlasse ich die Stunde und schreibe diesen Text.

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Interview mit einer Yogini – Maria Reich von Holy Moly Yoga

   

In unserem 3. „Interview mit einer Yogini“ stellen wir eine weitere tolle Yogalehrerin vor, die sich durch ihren ganz individuellen Stil hervorhebt: Maria Reich von Holy Moly Yoga!

Maria durfte ich auch in einer ihrer schönen Yoga-Klassen kennen lernen. Je länger ich selber Yoga mache, desto mehr wird mir diese unendliche Weite der Yoga-Welt bewusst(er). Es gibt kein Ende, immer nur wieder einen Anfang, in dem das Eintauchen in all diese Möglichkeiten ein Gefühl von Ankommen vermitteln kann. Yoga erscheint manchmal wie einer dieser eigenartigen Farbfächer, die man von Farbenanbietern in den Händen hält – es gibt unendlich viele Schattierungen von Kombinationsmöglichkeiten der drei Grundfarben. Und ein jeder einzelne Farbfächer ist auch nur ein Ausschnitt aus all diesen mannigfaltigen Optionen.So kann in diesem unendlichen Yoga-Universum eine jede Yoga-Schaffende wie im Anmischen eines bestimmten Farbtons eine neue Facette kreieren.

Maria besticht für mich auf dieser Palette durch ihre Klarheit und ihre Fokussiertheit als Yogalehrerin, aber auch durch ihren selbstironischen und liebevollen Humor. Allein schon ihre tiefe und volle Stimme richten ihre TeilnehmerInnen von Beginn der Stunde an aus auf den Raum, in dem sich alle befinden und in dem nur das gerade stattfindet, was stattfindet.

Maria holt ihre TeilnehmerInnen auf der Matte in den Körper und in den Atem: einfach, direkt und ohne Umwege. Und diese Reduktion mündet für einen jeden von uns Teilnehmenden in einer Kraft, die sich ganz konzentrieren kann auf das Wesentliche, ohne Schnörkel. Auch das Freiheitliche in der Wahl von Alternativen in der Asana-Praxis wirkt in ihren Stunden nie als eine Minderung des Bewegungsradius, nie als ein Weniger oder Mehr, sondern stets vollständig und ausgerichtet auf den Moment.

Ihre stimmliche und körperliche Präsenz sowie ihre sehr angenehm praktischen Assists (Korrekturen, die in der Asanaarbeit von der/dem LehrerIn angeboten werden) lassen ihre Klassen zu einem kraftvollen und rundem Erlebnis werden – be’Reich’ert von ihrem herzlichen Lachen 🙂 Erfahrt hier mehr!

   

© Caroline Pitzke

   

Liebe Maria, was sind Deine Erfahrungen mit Yoga? Was hat es mit Dir gemacht?

Nach den allerersten Yogastunden war ich mit dem Überschuss an neuer Energie etwas überfordert. Es war, als hätte man mir einen „Zaubertrick“ gezeigt, der mir hilft glücklicher, ausgeglichener und zufriedener zu sein, aber statt dieses Geschenk anzunehmen, habe ich mir im Anschluss erstmal Bier und Zigaretten gekauft. Das, was ich in 90 Minuten auf der Matte erarbeitet hatte, wurde damit sofort wieder ausgelöscht. Nach wenigen Monaten verschwand dieses destruktive Muster jedoch von ganz allein und ich konnte das Wohlgefühl und die innere Freude, die der Yoga in mir erzeugte, endlich annehmen. 

Seit der ersten Yogaklasse vor über 8 Jahren (April 2010), hat sich in meinem Leben auf verschiedenen Ebenen viel verändert. Zusammengefasst kann ich sagen: Ich bin gesünder, wacher, klarer, glücklicher, fitter, stärker, mutiger, selbstliebender, vertrauender, mehr in Verbindung mit mir und meiner wahren Natur. Yoga ist kein Sport. Irgendwann kann Yoga für dich so selbstverständlich wie das Zähneputzen werden. Die positiven Effekte sind einfach so nachhaltig und stark….

Hier kommt meine obligatorische Frage nach der Angst, die ich immer wieder so spannend finde: gibt es noch einen Bereich im Yoga, der Dir Angst macht und wenn ja, wie gehst Du damit um bzw. heran? Du bist langjährige Yoga-Lehrerin: Wie führst Du Deine SchülerInnen an die ihre Angstthemen heran?

Nein, Yoga ist kein fordernder Sport, der etwas von dir verlangt, daher gibt es auch keine Aspekte des Yoga, die mir Angst machen. Jeder gute Yogalehrer macht klar, dass es niemals um Wettbewerb geht, sondern um dich und deine Eigenpraxis. Du kannst keinen Kopfstand, aber alle anderen um dich herum schweben da elegant mit Selbstverständlichkeit hinein? Na und. Dann lass dich davon inspirieren, aber bitte ignoriere diese „Ich bin nicht gut genug“ – Stimme. Das ist es nämlich auch, was Angst erzeugt: negative Ego-Gedanken. Klar, auch ich werde davon regelmäßig „überfallen“ und erlebe Tage, in denen es mir nicht gut geht deswegen. Aber durch die Yogapraxis gewinnst du Abstand und innere Stärke, sodass diese Stimme immer leiser und immer kleiner wird. Bei größeren Angstthemen oder Lebensfragen unterstütze ich meine Klienten auch als Coach.

Ein toller Ansatz! Was sind Deine Erfahrungen: In welchen Situationen kann Yoga im Arbeitsalltag helfen bzw. unterstützen?

Ein Beispiel: Du bekommst Schweißausbrüche kurz vor einem wichtigen Meeting. Dein Herz rast.

Dann geh für ein paar Minuten irgendwohin, wo du für dich sein kannst (Toilette tut es auch). Setz dich. Erde deine Füße hüftbreit. Sitze super gerade. Entspann deine Bauchdecke. Jetzt atme. Lass den Atem fließen; tief und langsam, aber ohne ihn zu kontrollieren. Dann denk dabei: ,,Ich atme Liebe ein und Vertrauen und Entspannung aus.“ Mach das mal für ein 3 – 5 Minuten und schau, wie es dir danach geht. 

Ein anderes Beispiel: Du hast den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen, du kannst dich kaum noch konzentrieren. Dein Kreislauf ist schon ziemlich im Keller. Steh auf. Stell dich super aufrecht hin. Strecke die Arme weit über deinen Kopf und verschränke oben die Finger, sodass die Handflächen Richtung Decke zeigen. Zieh die Schultern dabei herunter. Nun atme entlang deiner Wirbelsäule. Von hier beuge dich dann langsam vor und greife deine Ellbogen in einer tiefer Vorbeuge. Lass Kopf und Nacken los. Häng dich aus. Atme durch die Nase tief ein und durch Pruste-Lippen (wie ein Pferd) aus. Roll dann wieder langsam Wirbel für Wirbel hoch zurück in den Stand. Roll die Schultern von vorne einatmend hoch zu den Ohren und ausatmend weit nach hinten. Versuche während dieser Übungen sämtlichen Fokus loszulassen und öffne weit das Fenster. Atme tief. Diese 3 – 5 Minuten können ein absoluter GameChanger sein. 

Kurz gesagt: Yoga ist Bewegung. Yoga ist Atem. Yoga ist ein klarer Geist. Versuche diese drei Elemente in deinem Alltag irgendwie zu integrieren. Täglich 5 Minuten Yoga im Büro sind mehr wert, als eine Yogastunde in einem schicken Studio ein mal die Woche. Wer wirklich gute Arbeit leisten möchte und das über viele Jahre hinweg, kommt nicht drum herum sich zu bewegen und seine Geistqualität aktiv zu verändern.

   

© Caroline Pitzke

   

Wow! Das sind einfach mal ganz klare Cues! Du bietest auch Yoga-Workshops und Retreats ganz nah im schönen Brandenburg an. Was können die Interessenten bei Dir mitnehmen?

Das hängt meistens vom Thema des Retreats oder des Workshops ab. Sicherlich nimmt man von einem Retreat durch die intensive Yogapraxis in so kurzer Zeit ein tieferes Verständnis für den Yoga mit. 4 – 5 mal Praktizieren an einem Wochenende wirkt schon sehr reinigend und klärend auf Körper und Geist. 

Meine Kraft & Klarheit – Workshops sprechen schon für sich. Mit diesen biete ich Raum und Zeit für Selbstreflexion, denn nur, wenn wir uns selbst zu verstehen lernen, können wir wachsen. Wer sich selber kennt und weiß, was ihm entspricht, erlebt Wahrhaftigkeit – in seinen Beziehungen und allen anderen Manifestationen des Lebens. Das ist Yoga in seiner schönsten Form. 

   

Liebe Maria, vielen DANK für dieses Interview!

Finden könnt Ihr Maria unter

www.holymolyyoga.com

facebook.com/holymolyyoga

instagram.com/holy_moly_yoga

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Interview mit einer Yogini – Sarah Peele von Yogawohnzimmer

   

Hier kommen wir nun zum zweiten Interview unserer kleinen Serie mit spannenden Menschen und ihrem Yoga in unserer vielseitigen Stadt: Sarah Peele von Yogawohnzimmer.

Sarah durfte ich mehr aus einem Zufall heraus in ihren Stunden erleben, da ich normalerweise selbst zu den ihren Zeiten im Programm bin. Beeindruckt hat mich sofort diese angenehme Ruhe, die Sarah in ihren Stunden vermittelt und in die ich eintauchen durfte wie in den Gong einer überdimensionalen Klangschale. Ich gehe gerne auch mal in Yogaklassen, in denen scheinbar keine körperlichen Grenzen vorausgesetzt werden und in denen Yoga manchmal nicht mehr von Akrobatik oder Artistik zu unterscheiden ist. Da kann ich schon staunen ob all der Verrenkungen, die einem so ein Yogalehrer zutraut bzw. zumutet. Und bin dabei auch immer wieder überrascht, was „alles so geht“ wenn eine ganze Gruppe von Übenden sich einer Asana widmet (auch ein spannendes Thema für eine andere Stelle, in wie fern wir über vermeintliche Grenzen hinaus wachsen, einfach weil jemand uns etwas zutraut bzw. weil es bei dem Mädel auf der Matte neben einem so selbstverständlich wirkt).

An jenem Morgen war es eine Level 1-2 – Klasse und ich dachte, es würden „die üblichen Verdächtigen“ an Asanas angeleitet. Schon wieder so ein Vorurteil – ich weiß. Und dann passierte es: Sarah ließ uns einfach stehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bestimmt ein paar Minuten standen wir am Anfang unserer Matte, einfach so. Und. Wir. Atmeten.

Es war das Schönste, Feinste, Leichteste und zugleich Beunruhigendste, was ich seit Langem erlebt hatte. Es wurde auf so einfache Weise deutlich, dass Frieden in einem selbst zu jedem Zeitpunkt möglich ist. Ein bisschen erinnerte es an die Geschichte von dem Hasen und dem Igel: der Hase hetzt sich ab in dem Glauben, schneller, klüger und besser zu sein und der Igel ist bereits ein jedes Mal schon vor ihm da.

Ich bin stets auf’s Neue fasziniert, wie ein/e jede YogalehrerIn immer wieder einen anderen Aspekt des Lebens auf die Matte und damit auf die innere Bühne ihrer/seiner SchülerInnen zu holen vermag.
Das ist Yoga. Auch.

Und umso dankbarer sind wir von ShiatsuCare, dass Sarah uns hier ein bisschen mehr von dem ihrem Yoga-Weg erzählt; seid gespannt!

   

   

Liebe Sarah, wie bist Du zum Yoga gekommen und was hat es mit Dir gemacht?

Zum Yoga kam ich während meines Kunstgeschichtsstudiums in Göttingen. Neben dem sehr kopflastigen Studium sehnte ich mich nach einem nachhaltigen Ausgleich. Diverse Fitnesskurse hatten bis dahin nur zu noch mehr Stress und Anspannung geführt und nicht zu dem erhofften körperlichen Wohlbefinden.

Freundinnen nahmen mich dann mit zum Yoga. Ich war beeindruckt von der Flexibilität der Kursteilnehmerinnen (Durchschnittsalter 50+) und fühlte mich daneben total unbeweglich. Die anfängliche Verwirrung in den Sonnengrüßen (‚wann soll ich noch mal ein- und ausatmen?‘) legte sich bald und schnell bemerkte ich körperliche Veränderungen. Mein Rücken fühlte sich – vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben – stark und aufrecht an und ein Gefühl der inneren Gelassenheit stellte sich ein.

Beeindruckt war ich auch von der Art meiner damaligen Yogalehrerin. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, Fehl am Platz zu sein… so wie ich war, war ich genau richtig. WOW! 🙂 Keine Spur von Konkurrenz oder Überheblichkeit. Es hatte mich eigentlich von Anfang an gepackt.

   

   

Du selbst bist langjährige Yoga-Lehrerin: gibt es noch einen Bereich im Yoga, der Dir Angst macht und wenn ja, wie gehst Du damit um bzw. heran? Wie führst Du Deine SchülerInnen an die ihre Angstthemen heran?

Oh ja, der Klassiker: die Umkehrhaltungen, Kopfstand, Unterarm- und Handstand. Als ich mit dem Yoga anfing, war mir diesbezüglich nicht bewusst worauf ich mich eingelassen hatte… und das war vielleicht auch ganz gut so. Meine zweite Yogastation war in Aberdeen, wo ich meinen Master machte. Ich fand auch dort eine tolle Yogalehrerin. Da das Studium intensiv war und der Stresslevel hoch, hatte ich das Gefühl ich muss alles in Perspektive rücken (das Studium nahm enorm viel Raum ein). Dieses ‚in Perspektive rücken‘ war dann dort auch sehr wörtlich zu nehmen, da ich dort mit meiner Angst vor Umkehrhaltungen konfrontiert wurde. Ich weiß noch, dass ich in dem Moment am liebsten den Kurs verlassen hätte; auch als Kind konnte ich keinen Handstand und dachte, als erwachsene Frau werde ich das ja nun erst recht nicht lernen. Kein ‚Muscle memory‘ auf welches ich zurückgreifen konnte – ein schlechter Scherz sozusagen.

Zum Glück bin ich nicht einfach gegangen und zu jeder Zeit an den richtigen Lehrer geraten. Auch dort hatte ich eine geduldige und verständnisvolle Lehrerin. Wir übten mit diversen Hilfsmitteln und in 3-er und 4er Gruppen, so dass ich mich traute die Welt auf den Kopf zu stellen.

Diese Situation, die Angst vor einer Yogahaltung und das Gefühl sich dieser Situation trotzdem zu stellen, machte mich dann so neugierig, dass mich das Yogafieber so RICHTIG packte. Ich entwickelte ein völlig neues Körpergefühl und merkte es ist nie zu spät damit anzufangen.

Zugegeben: noch heute bin ich kein großer Fan von manchen Umkehrhaltungen. Es gibt Phasen, da übe ich sie aber sehr gern und merke auch schnell den positiven, oft energetisierenden Effekt.

In meinem Unterricht versuche ich meine Schüler zu ermutigen, über ihre gedachten Grenzen zu schauen, zu testen was möglich sein könnte oder was sie blockiert. Manchmal ist es vielleicht auch ganz gesund, diese Grenzen einzuhalten. Sich bewusst machen, aus welchem Handlungsmuster man agiert. Ist es weil ich IMMER Angst vor neuen Situationen habe oder ist es weil mein Körper tatsächlich einfach gerade (noch) nicht bereit ist. Bei mir hat es z.B. lang gedauert bis ich überhaupt die Kraft in den Armen und im Zentrum für einige Asanas hatte. Das muss man dann ernsthaft abwägen und als erfahrener Lehrer bekommt man irgendwann einen ganz guten Blick dafür, wer bereit sein könnte und wer sich vielleicht in einer Art ‚Schonhaltung‘ befindet und ein wenig zutrauen von außen benötigt.

Ich hoffe, dass ich durch meine eigene Erfahrung motivieren und inspirieren kann, jeglichen Situationen im Yoga aus einer inneren Neugier anzugehen, um die körperlichen Prozesse wahrzunehmen und in den eigenen Körper zu finden. Dieses dann auch noch auf das alltägliche Leben zu übertragen, das ist für mich das Spannende am Yoga… gar nicht so sehr die äußere Form.

   

Oh ja, ein spannendes Thema sicherlich für jeden von uns – diese „gedachten Grenzen“… Was sind Deine Erfahrungen: In welchen Situationen kann Yoga im Arbeitsalltag helfen bzw. unterstützen?

Yoga hat mir in den verschiedenen Lebensphasen (Studium, Job) immer wieder aufgezeigt, dass da noch mehr ist als die Arbeit. Ich habe mich in alles immer zu 150% gestürzt und wollte alles immer extragut machen. Darin habe ich mich ein bisschen selber aufgegeben und den Blick für’s, nennen wir es mal‚ das Wesentliche‘, verloren. Natürlich wollen wir alle einen guten Job machen, aber wenn ich in mein Umfeld blicke, dann nimmt diese Arbeit meist so viel Zeit und Energie in Anspruch, dass gefühlt die ganze Welt auf ein ‚Riesen Burn-out‘ zusteuert. Die Arbeit nimmt auch zu Hause beim Abendbrot noch einen riesen Platz ein, weil man nicht abschalten kann. Am besten kaut man den ganzen Arbeitstag noch mit seinem Partner durch (der es auch nicht mehr hören kann… alles schon gehabt), so dass am Ende diese vielleicht auch noch auf dem Spiel steht.

Da kommt dann Yoga bzw. Meditation auf den Plan. Dieser klare Moment auf der Matte, in dem es möglich wird eine Grenze zu setzen, zu reflektieren und sich dem großen Ganzen wieder zu öffnen, finde ich jedes Mal wieder bemerkenswert. Ein Problem was vorher da war, ist plötzlich gar kein Problem mehr, einfach, weil man richtig geatmet hat. Vielleicht ist das ‚Problem’ noch da, aber die Bedeutung dessen nicht mehr so groß und dieses Gefühl, es gibt für alles eine Lösung. Es wird möglich, Pausen zwischen den Gedanken entstehen zu lassen. Das ist pure Freude und Freiheit für den Geist.

   

Besonders auffallend ist die Qualität der Ruhe, die Du immer wieder in den Deinen Klassen vermittelst. Was bedeutet diese Ruhe für Dich in Deinem Leben und wie können wir alle diese mehr in unseren Alltag auf die Bühne holen?

Ich komme ursprünglich aus Flensburg und merke, dass ich in dem Großstadttrubel die Ruhe des Nordens immer mehr vermisse. Dieses Gewusel und das Leben, das mich anfangs fasziniert hat, ermüdet mich manchmal sehr. Ich habe nach dem Studium eine Zeit in New York verbracht und fand das Leben und den Trubel toll – das kann natürlich auch etwas belebendes und inspirierendes haben! Aber dieses Tempo dauerhaft zu leben ist nicht meins. Ich bin zwar ein geselliger Mensch und liebe es unter Menschen zu sein – genauso liebe ich es aber auch einfach nur Zeit für mich zu haben. Einen Moment, in dem ich mich ganz auf mich besinnen kann, in dem vielleicht sogar ein Gefühl von Langeweile entstehen kann. Im Winter hatte ich eine Zeit, in der ich aus gesundheitlichen Gründen nicht viel Yoga praktizieren konnte. Meine Geduld war gefragt und ich verbrachte viel Zeit mit Nachdenken. Dieses Gefühl immer beschäftigt sein zu müssen, kommt ja oft aus der Angst vor Langeweile und damit die Angst vor den Gefühlen oder (Lebens-)Fragen die dann auftauchen. Unsere Zeit hier auf der Erde ist nun mal begrenzt und da stellt sich auch immer mal wieder die Frage, was das alles für einen Sinn hat. Man kann sich ablenken, davon laufen, betäuben mit Arbeit, Alkohol, Drogen, oder eine Alternative dazu suchen. Für mich ist das seit einigen Jahren Yoga und Meditation, um diesen Fragen auf die Spur zu kommen. Das Mühsame oder vielleicht auch Schöne daran ist, dass das ein Prozess ist. Immer im Wandel aber doch eine Konstante. Ich glaube wir könnten alle eine gehörige Portion Ruhe und Gelassenheit vertragen, um den Antworten, die in uns schlummern, lauschen zu können. 🙂

Deshalb ist zusammen mit meinem Mann (der auch Yogalehrer ist) die Idee für das ‚yogawohnzimmer‘ entstanden. An besonderen Orten die zu Ruhe und Besinnung einladen schaffen wir einen Ausgleich zum Großstadt-Dschungel und einen Raum sich selbst zu begegnen.

Liebe Sarah, vielen DANK für dieses Interview!

   

Finden könnt‘ Ihr Sarahs schöne Yogastunden unter:

facebook.com/yogawohnzimmerberlin

instagram.com/yogawohnzimmer

   

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Interview mit einem Yogi – Mischa Straßner von babeltiger.de

„Yoga? Macht doch jeder.“ Dies war die spontane und erstmal salopp anmutende Antwort, welche ich von meinem Kollegen Lars auf die Frage erhielt, warum Yoga im Arbeitsalltag für unsere Kunden in ihren jeweiligen Firmen so wertvoll sein könnte. 
Und tatsächlich wird gerade in Berlin der Weg des Yoga nicht mehr als esoterische Randerscheinung wahrgenommen, sondern als eine alle Lebensbereiche durchdringende Haltung und Ausrichtung auf körperlicher, geistiger sowie emotionaler Ebene.

Ich sage den TeilnehmerInnen in den Firmen gerne zu Beginn, dass Yoga im Grunde nichts Besonderes ist. Die Art und Weise wie wir die Dinge tun – und da sind alle unsere Tätigkeiten eingeschlossen – macht unsere Taten zu etwas Besonderem. Somit kann Yoga unsere täglichen Mahlzeiten, das Zähneputzen und die Kinder in die Kita bringen yogisch tränken, indem uns immer wieder die Ausrichtung unserer Sinne bewusst wird. Yoga ist für mich wie eine Brille, die ich aufsetze und die den Blick schärft für die kleinen Dinge des Lebens, für seine Feinheiten, Details und Nuancen, für das, was ganz von Innen kommt. 
Somit beinhaltet der Satz „Yoga macht doch jeder“ auf den zweiten Blick diese schöne Wahrheit, dass Yoga etwas ganz Selbstverständliches für uns sein kann.

Im ersten Teil unserer Serie „Interview mit einem Yogi“ erzählt uns Mischa Straßner, Gründer und Autor des Yoga-Blogs babeltiger.de wie er zum Yoga kam und wie er Yoga in seinen Alltag integriert. Entstanden ist ein spannendes und berührendes Interview, in welchem sich bestimmt so manche/r LeserIn wieder findet. Auf seine offene und ehrliche Art macht Mischa auch jedem Yoga-Beginner auf seinem „leisen“ Blog Lust auf mehr seiner persönlichen Erlebnisse und Geschichten in der Welt des Yoga, auf sein Wissen und seine leicht zugänglichen Ausführungen rundum die Yoga-Philosophie. Überzeugt Euch selbst!

   

   

Hallo Mischa, Du machst Yoga und Meditation. Wie bist Du dazu gekommen? Und was hat es mit Dir gemacht?

Ich war Zeit meines Lebens so ein typisches Leistungstierchen und habe recht früh Karriere gemacht. Von außen sah mein Leben wahrscheinlich ziemlich perfekt aus. Doch in meinem Inneren kämpfte ich oft mit mir, da ich meinen Ansprüchen nie gerecht werden konnte. Ich glaubte mich immer weiter selbst optimieren zu müssen.
Wie erfolgreich ich auch sein mochte und was ich auch tat, es schien nie genug zu sein. Ich schien nicht zu genügen! Die meiste Zeit über war ich rastlos, denn ständig gab es noch irgendetwas zu tun. Ich hatte Angst Dinge zu übersehen oder Fehler zu machen. Vor öffentlichen Auftritten konnte ich oft nächtelang kaum schlafen. Längst ahnte ich, dass ich weit weniger Kontrolle über mein Leben hatte, als ich es mir gerne glauben machte. Diese Unsicherheit konnte ich schlecht aushalten.
Und so begann ich schließlich eifrig, sportliche Yoga-Klassen zu besuchen. Durch die Körper- und Atemübungen wollte ich noch leistungsfähiger werden und auch ganz konkret meine Aufregung besser in den Griff bekommen. Was mir auch gelang. Aber darüber hinaus machte ich eine Erfahrung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte: Eine tiefe Zufriedenheit stellte sich ein, die mir weder meine bisherigen Erfolgskicks oder die Anerkennung Anderer so bieten konnten. Ich wurde freundlicher zu mir selbst – großzügiger, gelassener und insgesamt freier.
Das faszinierte mich sehr. Ich fragte mich, welche Kostbarkeiten Yoga neben den körperlichen Asanas noch zu bieten haben könnte und fand so unter anderem zur Meditationspraxis.
Auf meiner Schatzsuche entdeckte ich Erstaunliches: Früher wartete ich darauf, dass mich mein wahres Leben endlich abholen würde. Ich hatte das Gefühl, dass mein Glück nur in der Zukunft möglich sei und irgendwo dort auf mich warten würde. Heute weiß ich, auch Dank Yoga, dass ich bereits angekommen bin.

Das klingt sehr friedlich. Gibt es denn noch einen Bereich, wo Du so etwas wie Angst oder innere Blockaden erfährst? Wenn ja, wie gehst Du damit um? 

Haha! Nur einen Bereich? Das passiert mir andauernd! Im Alltag genauso wie in meiner yogischen Asana-, Atem- und Meditationspraxis. Und das ist gut so.
Diese starken und unangenehmen Gefühle sind Hinweise auf meinem Weg. Angst, Schmerz, Wut, Unruhe und Traurigkeit sind die Trittsteine, ohne die ich nicht weiterkommen würde.
Wenn ich ihnen nicht aus dem Weg gehe, so sagen sie mir auf sehr eindrückliche Weise, wo genau ich etwas über mich herausfinden kann. Denn sie sind in der Regel mit blockierenden Gedanken verbunden.

Es mag absurd klingen, aber manchmal freue ich mich regelrecht über solche Gefühle. Sie geben meiner Praxis mehr Kraft und Richtung.
Leiden ist in diesem Leben sowieso unvermeidlich. Es geht mir daher nicht darum mich mit Yoga und Meditation in einer Komfortzone einzukuscheln und mein Leiden auszuschließen, sondern vielmehr darum bewusster zu leiden!
Inzwischen beobachte ich diese unangenehmen Gefühle nicht nur, sondern lasse sie mit allen Sinnen durch mich hindurchrauschen.
Der große Unterschied im Vergleich zu früher ist: Gefühle und Gedanken entstehen zwar immer noch in mir, aber ich glaube sie nicht mehr so sehr. Sie machen mich nicht wirklich aus. Sie kommen. Und sie gehen vor allem wieder.
Und ich stelle fest, wie schnell sie sich verändern und dass ihr Gegenteil oft genauso wahr sein kann. Dadurch verlieren sie ihren Schrecken und ich stehe danach schneller wieder auf. Das hat alltagspraktisch viel mit Resilienz zu tun. Dahinter liegt aber ein noch viel größeres Geheimnis.

„Resilienz“ bedeutet ja eine Art erlernte psychische Widerstandsfähigkeit… Was sind Deine Erfahrungen: In welchen Situationen kann Yoga und Meditation im Arbeitsalltag helfen?

Auf einer Ebene, die vor allem unseren inneren Antreibern und womöglich auch unseren Arbeitgebern gefällt, kann uns Yoga helfen, besser zu fokussieren und länger durchzuhalten.
Ich beispielsweise fühle mich durch meine Praxis insgesamt ausgeglichener. Ich komme zur Ruhe, während ich gleichzeitig hellwach bin. Und wenn ich nicht damit übertreibe, dann werde ich fitter und erfahre so optimaler Weise weniger körperliche Schmerzen.
Das liegt vor allem daran, dass ich auf mehreren Ebenen in einen achtsameren Kontakt mit mir gehe: Ich nutze bewusst meinen Körper. Ich atme ruhiger und tiefer, was mein Nervensystem und viele Stoffwechselprozesse harmonisiert, aber auch meinen Geist beruhigt. Ich nehme dann sehr genau wahr, in welchem Zustand ich mich gerade befinde und kann dort, wo es sinnvoll ist, schneller entspannen oder aktiv dafür sorgen, dass sich meine Situation verbessert.

Yoga vermag meine Aufmerksamkeit aber noch auf viele weitere Aspekte meines Arbeitslebens zu lenken:
Während meiner Arbeit begleitet mich Yoga schon mit dem Aufstehen. Ich bemerke was ich geträumt habe und in welchem Zustand ich aufwache. Bin ich am Morgen ausgeruht oder schon angespannt?
Statt sofort in die üblichen Morgenroutinen zu verfallen, mache ich mir bewusst, dass ich in diesem Augenblick hier bin. Ich spüre die Temperatur der Dusche. Ich schmecke meinen Tee.
Ich sorge gerne dafür, dass ich meine Praxis an einem aufgeräumten und freundlichen Ort machen kann.
Ich sehe welche Farbe das Licht dieses Tags hat. Ich höre die Geräusche im Haus und unten im Hof.
Ich spüre meine Stimmung und auch meine Atmung auf dem Weg zur Arbeit.
Gehe ich freundlich mit mir um oder kämpfe ich schon innerlich? Und wie wirkt sich das darauf aus wie ich mit meinen Kollegen umgehe?
Wie mache ich die Dinge, die ich zu tun habe? Fühle ich mich dabei abgelenkt, entfremdet, erschöpft, unzufrieden? Oder bin ich im Kontakt mit mir und tue die Dinge auf eine Weise, die mir und meinen Möglichkeiten an diesem Tag entspricht?
Wie viel hat meine Aufgabe mit mir zu tun? Passt sie wirklich zu mir, kann ich darin wachsen?
Fühle ich mich in etwas Größeres eingebunden, das über mich hinausgeht?
Eine ganzheitliche Yogapraxis durchdringt letztlich jeden Aspekt meiner Arbeit, genauso wie jeden anderen Teil meines Lebens!

Du bietest einen „leisen“ Yoga-Blog an, welcher sich intensiv mit den Themen des Yoga und der Meditation beschäftigt – wie bist Du dazu gekommen, was ist Dein Anliegen und was können die LeserInnen da für sich mitnehmen?

Es gibt Yoga-Blogs, die sich viel mit Körperhaltungen und dem eher lauten Aspekt des „Machens“ beschäftigen. Andere konzentrieren sich auf Lifestyle-Phänomene, Yoga-Produkte, Yoga-Food und so weiter und bewerben das. Natürlich beinhaltet Yoga, wie alle äußeren Erscheinungen, eben auch die Ebene der Form. Doch diese Formen sind letztlich leer. Ich nenne meinen Blog „leise“, weil mir besonders die inneren Prozesse der Selbsterfahrung und die Stille dahinter am Herzen liegen.

Wer sich auf meinem Blog umsieht, kann vor allem Anregungen finden, um sich selbst zu befragen: Was treibt mich an? Woher kommen meine Ansprüche? Sind es wirklich meine eigenen? Gibt es etwas hinter dieser Idee von „mein“ und „Ich“?
Der Blog versucht auch eine Idee davon zu vermitteln, was Yoga neben den körperlichen Übungen der Asanas noch so zu bieten hat und inwiefern das alles ineinandergreift. Es gibt außerdem konkrete Anleitungen für die eher leisen Praxisformen von Meditation und Pranayama, also die yogischen Atemübungen. Letztlich suchen wir ja alle unseren eigenen Weg, ob wir Yoga nutzen oder etwas Anderes.
Ich freue mich einfach über alle, die auf meinem Blog eine kleine Inspiration für sich selbst finden.

Lieber Mischa, hab‘ vielen DANK!

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Pilates – mal nur für Männer!

Pilates als Trainingsform für den gesamten Körper ist seit langem schon ein Trendsport, der nicht mehr nur in Großstädten Gesundheitsbewusste begeistert. Und doch lauert immer noch gerade unter Männern das Vorurteil, dass Pilates ja eher eine zu belächelnde Gymnastikform sei.

Dass Pilates einem Maximalkrafttraining gleich kommen kann, bei dem maximal vier Wiederholungen möglich sind – wenn man sie richtig und ohne Ausweichbewegungen macht! – ist noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Pilates baut auf der Ansteuerung des so genannten Powerhouses auf, einer Muskelgruppe aus Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskulatur, die unsere Körpermitte von unten und den Seiten hält und den Schultergürtel nach unten zieht.

Männer haben von Natur aus einen stärkeren Muskelansatz und dadurch einen weniger ausgeprägten Hang zu Problemen im Beckenbodenbereich als Frauen. Gleichsam kann das Gefühl für den Beckenboden – der wie sein Name aussagt, den Rumpf nach unten hin verschließt und trägt – schwächer sein. Wenn er funktioniert wie er soll, hilft er uns, Druck im Rumpf zu halten und gleichzeitig die Fähigkeit zum Loslassen im richtigen und gewollten Moment zu gewährleisten.

Pilates für Männer bringt alles mit, was man(n) braucht: ein anspruchsvolles Krafttraining aus der Körpermitte heraus, in dem als Basis ein Gefühl für die einzelnen Muskelpartien des Körpers aufgebaut bzw. entwickelt wird.
Dieses Körpergefühl stärkt nicht nur den Rücken für einseitige (vornehmlich sitzende) Tätigkeiten im Alltag, sondern wirkt sich positiv auf alle Organe im tiefen Becken – etwa Prostata oder Ausscheidungstrakt – und nicht zuletzt auf eine erfüllte Sexualität aus.

Wenn das mal kein Anreiz ist! 

Dieser Artikel erschien am 12. März 2014 auf www.qiez.de
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